Systemische Psychotherapie

Die systemische Therapie ist ein wissenschaftlich anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren, das als Einzel-, Gruppen-, Paar- oder Familientherapie durchgeführt wird. Der systemische Therapieansatz hat sich aus spezifischen Behandlungsmethoden der Familientherapie entwickelt. Die grundlegenden Annahmen der systemischen Verfahren wurden aus der Systemtheorie übernommen, wodurch den einzelnen Systemfaktoren und ihrem Zusammenspiel eine besondere Bedeutung zukommt. Die systemische Therapie gilt als besonders wirksam bei affektiven Störungen, Essstörungen sowie Somatisierungsstörungen. Dennoch wird dieses therapeutische Verfahren noch nicht vom System der Krankenkassen in Deutschland finanziert.

Der Schwerpunkt dieses therapeutischen Verfahrens liegt in der systemischen, kontextuellen Perspektive auf die psychische Erkrankung, die als Störung der Anpassung an die soziale Umwelt verstanden wird. Dabei bezieht dieser psychotherapeutische Ansatz in Abgrenzung zu den anderen Verfahren das gesamte soziale System des Patienten stärker in die Ätiologie, Diagnostik und Behandlung mit ein. Besonders hervorzuheben ist die Betrachtung des Patienten als Symptomträger oder Indexpatient, der nicht alleinig verantwortlich für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Erkrankung ist. Diese Sichtweise lässt sich klar von den individuumszentrierten Ansätzen abgrenzen, die lediglich die individuelle Problematik des Einzelnen in den Fokus stellen.

Der systemische Ansatz stellt die dynamische Wechselwirkung zwischen dem Individuum und seiner Umwelt in den Vordergrund, um die psychische Erkrankung angemessen verstehen zu können. Innerhalb dieses sozialen Systems werden besonders die zwischenmenschlichen Rollen, Handlungen und Kommunikation betrachtet, da dysfunktionale Verhaltensmuster und Interaktionsprozesse eine psychische Erkrankung hervorrufen und aufrechterhalten können. Die intra- und interindividuellen Konflikte werden aufgedeckt, indem die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Beziehungsstruktur genauer betrachtet werden. Dabei wird deutlich, welche Funktion die psychische Störung innerhalb des Systems einnimmt beziehungsweise wieso die Symptome aufrechterhalten werden. An dieser Stelle setzten die therapeutischen Maßnahmen an, die gestörte Beziehungsstrukturen sowie Kommunikationsmuster verändern sollen.

Zu den therapeutischen Interventionen zählen die symbolisch-metaphorischen Verfahren wie beispielsweise die Familienskulptur, die die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder symbolisch darstellt. Hier können Kommunikations- und Problemlösetechniken erprobt werden, um einen konstruktiveren Umgang mit familiären Konflikten zu fördern. Bei den sogenannten Reframing-Techniken wird beispielsweise die kognitive Flexibilität und das Wechseln der Perspektive angeregt, indem man eine Situation aus unterschiedlichen Blickpunkten betrachten sollte. So lernen die Patienten sich besser in ihr Gegenüber einzufühlen und auf das Verhalten ihres Kommunikationsmusters adäquat zu reagieren.

QUELLEN

  • Deutscher Verband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V. (DGSF)
  • Berking, M. & Rief, W. (2012). Klinische Psychologie und Psychotherapie. Berlin: Springer Verlag.