Einzelselbsterfahrung

Im Rahmen der Selbsterfahrung steht der Wunsch und die Offenheit für die Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit und der bewussten Wahrnehmung eigener Wünsche und Bedürfnisse in allen Lebensbereichen im Vordergrund. Dabei wird die Reflexion des eigenen Erlebens und Handelns in Wechselbeziehungen mit anderen Menschen in den Fokus gerückt.

Selbsterfahrung stellt einen Entwicklungsprozess dar, der nur durch eine innere Bereitschaft zur Introspektion, durch Akzeptanz von unangenehmen Emotionen sowie einer Weiterentwicklung der persönlichen Regulation von Gefühlen und einer grundlegenden Fähigkeit zur Empathie sowie Konfrontation ermöglicht wird. Dadurch können bewusstere Entscheidungen und Handlungen ausgeführt werden, die einen flexibleren Umgang mit unterschiedlichen Situationen und sozialen Interaktionen ermöglichen.

Die Einzelselbsterfahrung ist ein wichtiger Baustein in der psychologischen Beratung. Sie findet häufig Anwendung im Rahmen der Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten und wird auch im späteren beruflichen Therapiekontext von approbierten Psychologischen Psychotherapeuten genutzt. Da Gegenstand der Selbsterfahrung eine Reflexion und Modifikation persönlicher Voraussetzungen und deren Einflüsse auf die eigene Interaktion mit Anderen ist, kann Einzelselbsterfahrung von jeglichen Berufsgruppen in Anspruch genommen werden, die eine zukünftige Arbeit mit Klienten oder Kunden erleichtern und optimieren möchten.

Die Zielsetzung der Einzelselbsterfahrung ist die Reflexion sowie Modifikation persönlicher Voraussetzungen für das therapeutische Erleben und Handeln. Hierzu werden biographische Aspekte aufgegriffen, die sich auf den Behandlungsprozess auswirken könnten sowie bedeutsame Aspekte des Erlebens und Handelns im Zusammenhang mit der therapeutischen Beziehung reflektiert. Dysfunktionale Erlebens- und Verhaltensweisen sollen als interpsychische Vorgänge bewusst wahrgenommen, kommuniziert und adaptiert werden.

Eine umfassende Selbsterfahrung ist im Rahmen von Psychotherapie für den therapeutischen Prozess entscheidend, insbesondere für die Gestaltung einer therapeutischen Beziehung und in dessen Rahmen einer optimalen Anwendung therapeutischer Interventionen. In anderen beruflichen Kontexten können durch eine erfolgreiche Selbsterfahrung die berufsbezogenen interpersonellen Interaktionen und die damit verbundene Beziehung zum Klienten flexibler und klientenzentrierter gestaltet werden. Dadurch können langfristigere, erfolgreiche Kooperationen angestrebt und die Compliance der Kunden gesteigert werden.

QUELLEN

  • Sulz S. (Hrsg.,2014): Psychotherapie ist mehr als Wissenschaft. München: CIP-Medien
  • Westen, D. (2015): Was wirkt in der Praxis der psychotherapeutischen Patientenversorgung? In Sulz, S. (Hrsg.): Von der Psychotherapie-Wissenschaft zur Kunst der Psychotherapie. München: CIP- Medien, Seite 44-89